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August 2013

Rezension des Buches „Köstliche Revolution – Gesund und schlank durch richtiges Essen“ von Dr.med. Andreas Eenfeldt, Verlag Ennsthaler, Steyr 2013, 311 Seiten, 24,90 €


Vorab: Dieses Buch empfiehlt Fleisch. Ich empfehle dieses Buch, obwohl ich Vegetarier bin – zum Lesen! – nicht um danach zu leben.

Es ist ein spannend geschriebenes, sehr erhellendes, sehr intelligentes Buch.
Unter Einbeziehung von physiologischen Zusammenhängen, Fallbeispielen und wissenschaftlichen Studien wird die Grundaussage sehr nachvollziehbar – und immer allgemeinverständlich – erläutert.
Die Grundaussage lautet: Low Carb High Fat.

Hiermit werden die gängigen Diätempfehlungen – von Schlankheitsexperten wie auch von Ärzten – über den Haufen geworfen. Jahrzehntelang wurde das Fett verteufelt. Dr. Eenfeldt klärt auf, wie es genau dazu kam. Die Menschen ernährten sich seit den 1980er Jahren anstatt dessen von mehr Kohlenhydraten. Was geschah? Sie wurden dicker und dicker und kränker und kränker. Irgendwann kam der Punkt, wo man das nicht mehr ignorieren konnte. Nun erst begann man nach den Studien zu suchen, die die Gefährlichkeit des Fetts belegten – es gibt keine! Nicht einmal den gesättigten Fetten kann man auf wissenschaftlicher Basis irgendwelche gesundheitsgefährdenden Eigenschaften nachsagen. Dafür werden die Menschen, die sich den gängigen Ernährungsempfehlungen widersetzen, die Fette wieder zulassen und die Kohlenhydrate herunterschrauben, rasch ihre Kilos, ihren Bluthochdruck, ihre katastrophalen Blutzucker-, Blutinsulin- und Blutfett-Werte wieder los. Hier geschieht bei  den Ärzten, die dieser „Köstlichen Revolution“ folgen, das, was sich wohl jeder Ernährungsberater wünscht: Den Patienten fällt es leicht, den Anweisungen zu folgen, und bereits nach relativ kurzer Zeit schwinden die Beschwerden. Sogar von einem Einfluss auf Epilepsie und weibliche Fruchtbarkeitsstörungen wird berichtet. Die LCHF-Methode unterscheidet dabei von der bereits bekannten LOGI-Methode (Low Glykämic Index), dass sie nicht nur die Kohlenhydrate nach dem glykämischen Index auswählt (z.B. Vollkornprodukte statt Weißmehlprodukte), sondern sie allgemein reduziert. Dr.med. Eenfeldt empfiehlt eine Ernährung basierend auf Fleisch, Fisch, Eiern, Käse und anderen Milchprodukten, sowie Gemüse (Gemüse steht bei ihm ganz hinten). Neben den Produkten mit konzentrierter Stärke (Brot, Pizza, Nudeln, Reis und Kartoffeln) stellt er auch das Obst unter Generalverdacht (wegen den enthaltenen Zuckerstoffen).

Dr. Eenfeldt deckt hier etwas Wichtiges auf, auf äußerst unterhaltsame und anregende Art und Weise. Ein sehr inspirierendes Buch – auch für Vegetarier! Denn er spricht einen Fehler an, den viele Vegetarier begehen und kann auch sie zum Umdenken in ihrer Ernährung bewegen. Der normale Vegetarier wendet sich ebenso den Kohlenhydraten zu wie der moderne Gemischtesser. Während es bei jenem aber aus der unbegründeten Angst vor dem Fett geschieht, geschieht es beim Vegetarier aus der gut begründeten Abscheu vor dem tierischen Eiweiß.
Are Waerland z.B. empfiehlt ausdrücklich anstatt einer eiweißbetonten Ernährung – das Fleisch als „die Krönung der Tafel“ – eine kohlenhydratbetonte Ernährung – täglich Vollkorngetreide und Kartoffeln. Hier muss ich aber Dr. Eenfeldt recht geben: Der menschliche Organismus ist ganz sicher nicht an die konzentrierten Kohlenhydrate in den modernen Züchtungen angepasst. Man bedenke nur, dass der glykämische Index einer gekochten Kartoffel weit über dem von Haushaltszucker liegt! Meine eigenen nicht enden wollenden Beschwerden als Vegetarier – Dauererkältung, immer wieder Kopfschmerzen, Müdigkeit, mittlerweile sogar Fettansatz – führe ich auf meine Achillesferse zurück: den Konsum der konzentrierten Kohlenhydrate. Das Buch von Dr. Eenfeldt inspiriert mich und hilft mir, mich davon zu lösen.

Dr. Eenfeldt hat recht – auf dem von ihm abgesteckten Terrain. In bezug auf seine spezielle Aussage ist es ein sehr wertvolles und wichtiges Buch.

Die Kritik: Es ist für mich unbegreiflich, wie ein so intelligenter Mensch mit solchen Scheuklappen bewehrt sein kann. Wenn die weißen Flecke auf der Landkarte eine gewisse Größe erreichen, sollte doch das Bedürfnis bestehen, weiter zu recherchieren und sie aufzufüllen. Wenn das nicht möglich ist, sollten sie zumindest angesprochen werden und sollte darauf hingewiesen werden: „Hier sind noch offene Fragen.“ Anstattdessen tut aber Dr. Eenfeldt so, als habe er das Ei des Kolumbus gefunden. Die Wahrheit von Dr. Eenfeldt ist korrekt, aber unvollständig. Die Wahrheit in diesem Buch ist unvollständig in einer Weise, wie man es von einem Menschen, der die Schein-Wissenschaftler so überzeugend entlarvt, nicht erwarten sollte. Das Ei des Kolumbus ist bisher nur ein halbes. Sollte man ein halbes Ei so stolz hinausposaunen? Kann die eigentliche Revolution, die auf lange Sicht trag- und lebensfähig ist, nicht erst dann beginnen, wenn die andere Hälfte auch aufgearbeitet ist, wenn das Ei vollständig ist?

Der Punkt: Natürlich gibt es nicht nur die Entscheidung zwischen Fett und Kohlenhydraten. Bald jedes Kind weiß, dass die Hauptbestandteile der Ernährung deren drei sind, nämlich Fett, Kohlenhydrate UND EIWEISS!
Wie kann man von einem Dreieck einfach eine ganze Ecke ignorieren???

Dr. Eenfeldt empfiehlt mehr Fleisch und Fisch und Eier und Milchprodukte. Dabei ist der Konsum von tierischen Produkten seit Jahrzehnten auf Rekordniveau! Gleichzeitig haben sich die Zivilisationskrankheiten herausgebildet, die Dr. Eenfeldt alleine den Kohlenhydraten anlastet. Die Angst vor dem Fett hat ja nicht nur dazu geführt, dass das Fett durch konzentrierte Kohlenhydrate – Zucker und erhitzte Stärke – ersetzt wird. Sondern sie hat in gleichem Maße dazu geführt, dass magere tierische Produkte nachgefragt werden: also gleichermaßen zu einem erhöhten Konsum von tierischem Eiweiß! Dass hier ebenso eine Ursache für unsere Wohlstandserkrankungen liegen könnte, diese Frage stellt der Autor erst gar nicht. Er ignoriert das Thema tierisches Eiweiß völlig. Die Frage, ob tierisches oder pflanzliches Eiweiß günstiger sei, blendet er aus. Natürlich führt seine Diät zunächst zu raschen Verbesserungen durch die Reduktion der Kohlenhydrate. Aber auch die fettreichen tierischen Produkte transportieren tierisches Eiweiß, und das nicht zu knapp! Die Langzeitfolgen des Konsums von tierischem Eiweiß sind die sogenannten „Eiweißspeicherkrankheiten“, wie sie der Frankfurter Universitätsprofessor Dr. Lothar Wendt bereits in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts erforscht hat. Die Wohlstandskrankheiten, denen sich die Anhänger der LowCarb-Diäten entronnen glauben, holen sie später wieder ein. Die Sofort-Erfolge sind wertvoll und sollen hier nicht kleingeredet werden. Aber der Weg muss dann weitergehen – hin zu einer vegetarischen Form der LowCarb-Ernährung. Nur dann kann von einem vollständig beschrittenen Weg zu einer gesunden Ernährung gesprochen werden. Beschrieben ist diese vollständige Sicht bereits in meinem schmalen Büchlein von 2010: Der Vollwertweg, Books on Demand, Norderstedt.

Der Vollwertweg

In der neuesten Ausgabe von 2014 fließt
die Beschäftigung mit LowCarb mit ein!

Books on Demand, Norderstedt, Pb, 84 Seiten - 5,90 €


Diese riesige Scheuklappe in bezug auf die tierischen Eiweiße ist wohl mit dem verbreiteten Paradigma der Evolution zu erklären, wie es gang und gäbe ist, und das Dr. Eenfeldt einfach so übernimmt, als wäre es längst bewiesen. Leider gibt es für diesen Evolutionsweg des Menschen mit den vielen hunderttausenden von Jahren als Jäger und Sammler ebenso wenig Beweise wie für die Fett-ist-schädlich-und-macht-dick-Theorie. Rein wissenschaftlich ist es ja bekannt, dass die immer wieder angeführten „Vorläufer“ des Menschen zwar der gleichen Gattung angehören – homo – aber nicht der gleichen Art – homo sapiens. Überreste von Vorläufern für unsere Art sind bis heute nicht gefunden worden. Man geht einfach davon aus, dass es sie irgendwo gibt. Ist das Wissenschaft? Anstatt dessen mehren sich die kritischen Fragen: Warum sollte ein Reptil greif- und gangeingeschränkte Flügelansätze mit Federn entwickeln? Warum sollte ein auf allen Vieren laufender Affe den gebückten Gang lernen, um irgendwann einmal, viele Generationen später, aufrecht zu gehen? Die sukzessiven Veränderungen, die die Evolutionstheorie postuliert, bilden im irdischen Überlebenskampf keinen Vorteil. Im Gegenteil, sie stellen lästige Behinderungen dar. Die Unlogik dieses Ansatzes ist nicht nur offenkundig - die fehlenden Zwischenglieder, deren Existenz man einfach voraussetzt, konnten bis heute auch nicht gefunden werden.

Natürlich gibt es eine Evolution, im Sinne von Entwicklung. Das Leben entwickelt sich immer weiter. Aber für die Frage nach der „Entstehung der Arten“ gibt es durchaus eine alternative Antwort: Dass die Arten nicht „von unten“ gekommen sind (aus der Materie), sondern „von oben“ (aus dem Geist). Bei der letzteren Möglichkeit läge die Grundstruktur der Entstehung der Arten nicht in einem gegenseitigen Verdrängungswettkampf („survival of the fittest“), sondern in der Kooperation. Die sog. Wissenschaft weigert sich hartnäckig, diese zweite Option zu prüfen und verbannt sie einfach in den Bereich des Glaubens, von dem man sich ja deutlich distanzieren will. Ein solches Vorgehen ist von Voreingenommenheit geprägt und nicht von einem Streben nach Wahrheitsfindung. Dass Dr. Eenfeldt – als erklärter Protagonist eines Paradigmenwechels – sich von einer solchen voreingenommenen Lehre leiten lässt, halte ich für den Grundirrtum, der zu seiner leichtsinnigen Empfehlung der tierischen Produkte führt.

Wenn man den Entwicklungsweg des Menschen beleuchtet und einfach voraussetzt, es gab einen Sprung vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter – so wird einfach eine riesige Ära, deren Anfänge im Dunkel der Zeiten liegen, unter den Tisch gekehrt: die Ära des Gartenbaus. Die alten Germanen, die Kelten und die über den ganzen eurasischen Kontinent verbreiteten „Wedrussen“ (siehe die Bücher der Anastasia-Reihe) lebten seit Urzeiten vom Gartenbau. Deren hochentwickelte Kulturen, deren Wurzeln in die atlantische Aera hineinreichen und die sich in Pflanzenkunde, Heilkunde, Musik, Astronomie und Religion ausdrückten, konnten nur im Umfeld eines sesshaften Gartenbaus gedeihen.

Im Paradies (= Garten) beginnen die Mythen aller Völker. Dr. Eenfeldt weiß es besser. Ich akzeptiere alle Weltanschauungen. Mich stört nur die Blasiertheit, die eigene als „Wissenschaft“ darzustellen und jede andere als „Glauben“. Dabei ist die Evolutionstheorie in bezug auf „die Entstehung der Arten“ bis heute ihre Beweise schuldig geblieben.

Was Dr. Eenfeldt vorschlägt – weitgehender Verzicht auf Getreide, Kartoffeln, Sellerie und Rübenfrüchte, kein Gemüse unter der Erde mehr, nur noch Gemüse über der Erde – ist doch, anders gesagt, die Umstellung von Ackerbau auf Gartenbau. In diesem Punkt liegt für mich die große Botschaft dieses Buches, die auch für Vegetarier durchaus von Bedeutung ist. Wenn nun noch die Viehzucht weggelassen wird, dann haben wir die Umkehrung des Sündenfalls und kehren von Ackerbau und Viehzucht wieder ganz zum Gartenbau zurück. Dies wäre ein folgerichtiger und in sich stimmiger Gedanke.

Die Weltanschauung von Dr. Eenfeldt aber hakt in der Praxis an allen Ecken und Enden. Er beruft sich auf die Epoche der Jäger und Sammler. Von seriösen Wissenschaftlern, die gründlicher hinschauen, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Jagderfolge Festtagserlebnisse waren. Der Alltag und die Alltagsernährung waren bei den meisten sich von der Wildnis ernährenden Gruppierungen mehr vom Sammeln bestimmt: Knospen und Blätter, Nüsse und Samen, Würmer und Käfer, Pilze und Kräuter – zumeist Frauenarbeit. Das war nicht so spektakulär, hinterließ auch nicht so auffällige Spuren, dennoch war es die Grundlage. Das Wildkräutersammeln, wie es viele Vegan-Rohköstler längst praktizieren, wird bei Dr. Eenfeldt noch nicht einmal angesprochen. In seiner Fleisch-Fixierung ignoriert er auch, dass die auf Fleisch angewiesenen nordischen Urvölker, die er als Gesundheitsbeispiele anführt, auch in ihrem traditionellen Lebensstil eine durchschnittliche Lebenserwartung von unter fünfzig Jahren haben. Die tierische Ernährung erzeugt eine chronische Übersäuerung, die sich im Alter als Rheuma, Gicht, Bindegewebsschwäche, Sehschwäche und anderen Beschwerden niederschlägt. Die traditionell lebenden nordischen Urvölker sind so scharf auf die pflanzliche grüne Nahrung, dass sie von Ren und Robbe mit Vorliebe den halbverdauten Mageninhalt verzehren, um so an Farne und Seetang zu gelangen.

Dr. Eenfeldt empfiehlt in unserer Zeit des Rekord-Fleischverzehrs, der nur durch Massentierhaltung zu gewährleisten ist, noch eine Steigerung. Das Wild, das er gemäß seiner Entwicklungstheorie so sehr schätzt, ist jedoch vor allem mageres Fleisch, nicht fettes. Die extrem umweltbelastende und ressourcenvergeudende Massentierhaltung noch steigern zu wollen, widerspricht diametral dem Ansatz, zum Naturgemäßen zurückkehren zu wollen. Es zeigt sich, dass das Ideal des Jägers und Sammlers den Menschen in die Irre führt. Der Gartenbau führt den Menschen zum wahren Einklang mit der Natur, sowohl gesundheitlich, als auch ökologisch – und vielleicht sogar zurück zu seinen wahren Wurzeln.
 

Zu den praktischen Konsequenzen ist festzuhalten, dass der Körper natürlich in seiner Ernährung von allen drei Nährstoffen benötigt. Wir brauchen Fette, wir brauchen Proteine, wir brauchen auch Kohlenhydrate. Ohne Kohlenhydrate in der Ernährung funktioniert auch der Fettstoffwechsel nicht richtig. Ein Vegan-Rohköstler ernährt sich auch "LowCarb". Ein Punkt, den der Autor vollkommen ausblendet. Es scheint ihn nicht zu interessieren. Hier gibt es eine bereits bestehende "LowCarb"-Bewegung. Wenn "LowCarb" wirklich sein Thema ist - und nicht Fleisch-Propaganda - so müsste es ihn doch als Arzt interessieren, die spirituellen Paradiesköstler und die oftmals auf die Materie ausgerichteten Steinzeitjäger in ihrem Gesundheitszustand zu vergleichen. Aber dafür müsste man sich ja auch mit dem dritten Baustein der Ernährung - dem Eiweiß - beschäftigen.

Ich bin mir für mich persönlich noch nicht ganz über die Konsequenzen aus Dr. Eenfeldts Erkenntnissen klar. Soll ich die konzentrierten Kohlenhydrate einfach weglassen? – keine Kartoffeln und keine Getreideprodukte mehr essen? Oder soll ich auf Rohkost umstellen, aber alle pflanzlichen Lebensmittel mit einbeziehen? Denn wenn man Kartoffeln oder Getreide (als Frischkornbrei) roh isst, dann gibt es eine Sättigungssperre, die den übermäßigen Konsum von alleine verhindert. Die rohe Stärke wird anders - viele sagen günstiger - verstoffwechselt als die erhitzte. Soll ich also bei der Nahrungsauswahl ansetzen oder bei der Zubereitungsform, oder – dritte Variante – soll ich mich einfach so weiter ernähren wie bisher, aber die Übeltäter – konzentrierte erhitzte Stärke – nur reduzieren? Doch ich denke, die Empfehlungen aus dem Buch können auch dem Vegetarier den richtigen Weg weisen. Wenn man für den Übertritt zur Rohkost nicht bereit ist, so bietet das Buch eine gute Hilfe zur Weiterentwicklung durch die Auswahl des richtigen Gemüses: Das Gemüse, das über der Erde wächst ist zu bevorzugen. Also sind wegzulassen: Getreide, Kartoffeln und das Gemüse, das unter der Erde wächst, wie Sellerie und Möhren. Wenn man aber gekochtes und gedünstetes Gemüse mit einbezieht, so dürfte das gar nicht so schwer sein, wie es sich anhört. Neben den Nüssen und Ölsamen als konzentrierte Nahrung bleiben einem Auberginen, Zuccinis, alle Arten von Kohl und von Bohnen.

Dr. Eenfeldts Warnung vor Obst ("essen Sie Obst nur ausnahmsweise als natürliche Süßigkeit") ist unbegründet: Es gibt ja durchaus Frugivoren, die sich auf süße Früchte spezialisieren. Fettleibigkeit, Diabetes und Bluthochdruck sind nicht ihre Probleme, eher eventuell Magerkeit, Übersäuerung und Mangel an bestimmten Nährstoffen. Offensichtlich handelt es sich um vollkommen andere Stoffwechsel-abläufe als bei Softdrinks und Weißbrot. Den natürlichen Zucker aus dem Obst in eine Reihe zu stellen mit den konzentrierten Kohlenhydraten aus Haushaltszucker und Weißmehl ist wohl die gleiche Scheuklappe, die wohl nur mit einer Voreingenommenheit gegenüber den pflanzlichen Produkten zu tun haben kann. Wissenschaftliches Auf-den-Grund-Gehen zeigt sich hier nicht.

Kohlenhydrate an und für sich zu verteufeln, ist also verkehrt. Hier gibt das Buch keine klare Auskunft. Manchmal denkt man beim Lesen einfach „LowCarb“ – also Kohlenhydrate allgemein reduzieren. Dann aber wird das Beispiel von nordischen Ureinwohnern angeführt, welche in einer Ansiedlung Kartoffeln und Getreide wegließen, dafür aber „fünfmal so viel“ Blumenkohl kauften – und trotzdem (oder gerade deshalb?) erhebliche gesundheitliche Vorteile erlebten. Natürlich ist Blumenkohl auch ein Stärke-Produkt, nur nicht im gleichen Maß wie Getreide und Kartoffeln. Ob der Blumenkohl roh oder gekocht verzehrt wurde, hierüber wird keine Aussage getroffen, so dass man davon ausgehen muss, dass er, wie üblich, gekocht wurde. Anscheinend geht es um die "richtigen" Kohlenhydrate.
Was sind die "richtigen" Kohlenhydrate, welche Eigenschaften unterscheiden sie von den "falschen"?

Als leidenschaftlicher Fleisch-Befürworter befindet es Dr. Eenfeldt nicht für nötig, solchen Fragen nachzugehen. Er ersetzt einfach so viele Kohlenhydrate wie möglich durch fettes in Fett gebratenes Fleisch. Dass man von einer fleischreichen („kohlenhydratarmen“) Ernährung Knochenschwund bekommen könnte, das verneint Dr. Eenfeldt vehement. Warum aber ist der fleischverzehrende Hund so scharf auf den Knochen? – Nicht, weil ihm die Fleischnahrung durch Übersäuerung die basischen Mineralien entzieht? Dr. Eenfeldt stellt diese Fragen nicht.

Der schwedische Ernährungspionier Are Waerland stellt diese Fragen und hat vor 70 Jahren vielen Menschen durch eine kohlenhydratbetonte Ernährung zur Gesundheit verholfen. Was hat er vielleicht richtig gemacht? Waerland hat genau das Aufkommen der Zivilisationskrankheiten in den entlegenen schwedischen Dörfern beschrieben, wie es "Köstliche Revolution" an anderen Beispielen auch beschreibt. Erst kommen die Straßen, dann die Weißmehl- und Zuckerbäcker, dann die Zahnärzte, dann die anderen Ärzte, dann die Krankenhäuser und Altenheime.
Are Waerland hat eine Gegenbewegung in Schweden ins Leben gerufen, die zu ballaststoffreicher Ernährung, komplexen Kohlenhydraten, völliger Zucker-Enthaltsamkeit und Lactovegetarismus riet. Damit konnte er große gesundheitliche Erfolge, bei sich und bei anderen, erzielen.
Are Waerland ist dem schwedischen Arzt Dr. Eenfeldt keine Silbe wert.


Trotz dieser zahlreichen blinden Flecken bei einem ungewöhnlich scharfen Sehsinn  ist das Buch empfehlenswert, wenn man selber, auch als Vegetarier, ohne Scheuklappen durchs Leben gehen will und bereit ist, von einem Menschen die Wahrheit anzunehmen, die er zu geben hat.



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Eine Rückmeldung von Nicole Lindborg (www.lchf.de) und meine Antwort dazu unter



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